Die ADFGVX-Verschlüsselung des Deutschen Heeres im ersten Weltkrieg & Georges Painvin history menue Letztmalig dran rumgefummelt: 27.12.17 18:12:01

Georges Jean Painvin (* 1886 in Nantes; † 21. Januar 1980 in Paris) war ein französischer Geologe und erfolgreicher Unternehmer.
Besonders bekannt wurde er aber als der Kryptoanalytiker, der 1918 im Ersten Weltkrieg die ADFGX- und ADFGVX-Verschlüsselung gebrochen hat, die von den Deutschen während ihrer Frühjahrsoffensive benutzt wurde, um ihre mithilfe der Morse-Funktechnik drahtlos übertragenen militärischen Meldungen und Befehle geheim zu halten.
Vermutlich lag es an Painvins Entzifferungen, dass es den deutschen Truppen nicht gelang, einen entscheidenden Durchbruch zu erzielen und bis nach Paris vorzustoßen. Dies ist den Äußerungen einiger namhafter Autoren zu entnehmen: „Painvins Arbeit ist es zu verdanken, dass die Speerspitze dieses Angriffs zwischen Compiègne und Montdidier, beide 80 km nördlich von Paris gelegen, lokalisiert werden konnte.“„Seine Leistung hatte einen Erdrutsch weiterer Entschlüsselungen zur Folge, darunter die eines Funkspruchs mit dem Befehl »Sofortige Munitionslieferung. Auch bei Tage, wenn nicht beobachtet.«  Der dringende Munitionsbedarf ließ vermuten, dass dies der Ort war, an dem der deutsche Angriff drohte, was von der Luftaufklärung bestätigt wurde. Die Alliierten schickten Truppen zur Verstärkung des Frontabschnitts, und eine Woche später begann der deutsche Angriff. Die deutschen Truppen hatten das Überraschungsmoment verloren und wurden in einer höllischen, fünf Tage dauernden Schlacht zurückgeworfen.“ Der Kryptologe und ehemalige Direktor des Max-Planck-Instituts für Astrophysik in Garching bei München, Professor Rudolf Kippenhahn, folgert: „Wahrscheinlich ist es sein (Painvins) Verdienst, dass deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg nicht auf den Champs-Élysées herumspaziert sind.“

Quelle ist hierzu WIKIPEDIA

1. Zur Geschichte
2. ... zur Technik
3. ABC- und ABCD-Verschlüsselung
4. ADFGX und ADFGVX
5. Arbeits- und Funktionsbeispiele ADFGVX
6. Software-Lösungen von uns ...
7. Angriffe auf ADFGVX
8. Verwandte Themen

ÜBCHI-Verschlüsselung

ADFGVX-Chiffre

inhaltlich auf korrektem Stand - evtl. partiell unvollständig ;-)

Wissen für Fortgeschrittene der Informatik

Quellen:

Schlüsselbuch


1. Zur Geschichte history menue scroll up

Auch die Deutschen hatten im Ersten Weltkrieg mit ihren Verschlüsselungsverfahren wenig Glück. Da sich die deutschen Soldaten im Verlauf des Kriegs hauptsächlich auf feindlichem Territorium bewegten, waren sie besonders auf die drahtlose Kommunikation angewiesen. Dagegen konnten beispielsweise die Franzosen hinter der Front auf vorhandene Drahtleitungen zurückgreifen und gaben dem Gegner dadurch deutlich weniger Gelegenheit zum Lauschen. Dies ist ein Grund dafür, dass im Ersten Weltkrieg besonders viele deutsche Verschlüsselungsverfahren geknackt wurden, während den Deutschen beim Dechiffrieren nur wenige Erfolge gelangen. Es gibt jedoch noch eine weitere Ursache: In der deutschen Armee existierte bei Kriegsbeginn noch keine auf Verschlüsselung spezialisierte Einheit. Dadurch gerieten die Deutschen in einen kryptologischen Rückstand, den sie bis zu ihrer Niederlage im Jahr 1918 nicht mehr aufholen konnten.
Wie schlecht die Deutschen in Sachen Kryptologie gerüstet waren, zeigt sich nicht zuletzt an der großen Anzahl der von ihnen eingesetzten Verschlüsselungsverfahren. Sie nutzten mehrere Dutzend unterschiedlicher Methoden, die häufig gewechselt wurden und oft ohne größere Analyse zum Einsatz kamen. Teilweise handelte es sich dabei um Wörter-Codes, bei denen der Verschlüssler ganze Wörter mit einer Art Wörterbuch durch unverfängliche Begriffe oder unverständliche Zeichenkombinationen ersetzte. Wörter-Codes hatten zu dieser Zeit noch eine wichtige Bedeutung, wurden aber immer mehr durch andere Verfahren ersetzt. Auch die Deutschen stellten damals mehr und mehr auf Buchstaben-Codes um, bei denen der Funker eine Nachricht nach bestimmten Regeln notieren, Buchstaben ersetzen und die Reihenfolge andern musste.
   

... ÜBCHI wurde von den Franzosen geknackt

... die Deutschen setzten während des ersten Weltkrieges aus heutiger Sicht insgesamt schwache Verfahren ein und hatten technisch gesehen auch nur geringe Chancen, ihre Fehler überhaupt zu bemerken - dies sah auf Alliierter Seite ganz anders aus:

ÜBCHI-Verschlüsselungs-Anleitung

ÜBCHI-Verschlüsselungs-Anleitung

ÜBCHI-Verschlüsselungstabelle

Doch auch den Franzosen unterliefen peinliche Fehler. Als die französischen Code-Knacker im Oktober 1914 die Funktionsweise von ÜBCHI durchschaut und die ersten Nachrichten entschlüsselt hatten, gaben sie ihr Wissen an die zuständige Stelle in der Militärführung weiter. Durch ein Informationsleck sickerte die Nachricht über den geknackten Code zur Truppe durch und so pfiffen schließlich die Spatzen von den Dächern, dass das französische Militär die deutschen Nachrichten lesen konnte. Im November 1914 stellten die Deutschen folglich die Nutzung von ÜBCHI ein. Dieser einzigartige Vorfall zeigt, wie wenig Erfahrung es damals noch im Umgang mit entschlüsselten Nachrichten gab.
Nach ÜBCHI setzten die Deutschen an der Westfront auf ein Verschlüsselungsverfahren, das die Franzosen ABC tauften. ABC bestand aus einer einfachen Vigenere-Chiffre mit dem Schlüsselwort ABC und einer anschließenden Veränderung der Buchstabenreihenfolge (Transposition). Bereits im Dezember 1914 konnten die französischen Dechiffrierer ABC erstmals knacken, und auch der ABCD genannte Nachfolger bereitete ihnen wenig Probleme.

... das Buch von Klaus Schmeh im Web

ABC-Chiffre


2. zur Technik history menue scroll up

ÜBCHI und ABC - zu diesen Buchstaben-Codes gehörte beispielsweise das Verfahren ÜBCHI, das die Deutschen bereits vor Kriegsbeginn eingeführt hatten. Später setzten sie es an der Westfront im Kampf gegen Frankreich ein. ÜBCHI sah vor, dass der Verschlüssler seinen Text unter ein Schlüsselwort in Zeilen aufschrieb und die Buchstaben anschließend zweifach schlüsselabhängig durcheinander würfelte. Zu den unvorteilhaften Eigenschaften dieses Verfahrens gehört, dass sich bei der Verschlüsselung nur die Reihenfolge der Buchstaben ändert, während die Buchstaben an sich erhalten bleiben. Verschlüsselungsmethoden dieser Art werden auch als Transpositions-Chiffren bezeichnet.
erstes Beispiel zum Verschlüsseln via ADFGVX

Plaintext & Keywords für Substitution sowie Transposition

Bereinigen

Besonderheit: die Ziffern bleiben erhalten

Substitutiontabelle ausfsteigend

Substitutionskeyword aufsteigend eingetragen

Substitution

Eintragen in die Transpositionstabelle

Transposition

spaltenweise auslesen

MORSE-Codierung

MORSE-Code


3. ABC- und ABCD history menue scroll up
Bei der Dechiffrierung von ABC, ABCD und anderen deutschen Verschlüsselungsmethoden spielte der 29-jährige Franzose Georges Painvin eine wesentliche Rolle. Painvin entwickelte sich zum bedeutendsten Code-Knacker des Ersten Weltkriegs, indem er eine deutsche Verschlüsselung nach der anderen löste und nebenbei auch noch die Methoden anderer Länder mit Erfolg analysierte.
Als Painvins größte Leistung gilt das Knacken des deutschen Verschlüsselungsverfahrens ADFGX und dessen Nachfolger ADFGXVX. Im März 1918 stieß die französische Funkaufklärung erstmals auf die verschlüsselten Nachrichten, die nur aus den Buchstaben A, D, F, G und X bestanden und damit für einige Verwirrung sorgten. Von einem Tag auf den anderen hatten die Deutschen den kompletten Funkverkehr an der Westfront auf das neue Verfahren umgestellt. Immerhin ahnten die Franzosen, warum die Deutschen gerade diese fünf Buchstaben gewählt hatten: Ihre Kodierungen im Morse-Alphabet (. -, -- , - -- , --- und -- --) unterschieden sich in größtmöglicher Weise, was Verwechslungen vermied.

... UBCHI und ADFGX - jedoch auch ADFGVX war unsicher!!! - es waren ja "nur" Vertauschungen einer ansonsten bekannten statistischen Häufigkeitsverteilung

Ausgerechnet in der entscheidenden Kriegsphase konnten die Franzosen nun die deutschen Funksprüche nicht mehr lesen. Sie erfuhren daher auch nicht, dass die Deutschen für den 21. März 1918 die von den Franzosen lange befürchtete Großoffensive im Westen planten. Während Painvin noch wie ein Besessener über den ADFGX-Nachrichten brütete, wobei er mehrere Kilogramm an Körpergewicht verloren haben soll, war der deutsche Vorstoß bereits in vollem Gange. Doch auf Painvin war Verlass, und so durchschaute er mit der Zeit die Funktionsweise von ADFGX, wodurch er schließlich auch die verwendeten Schlüssel rekonstruieren konnte. ADFGX, so zeigte sich, war eine für den Ersten Weltkrieg typische Verschlüsselungsmethode: Jeder Buchstabe des Alphabets (da 1 und J nicht unterschieden wurden, gab es 25 davon) wurde nach einer vorgegebenen Tabelle durch ein Buchstabenpaar ersetzt, das aus den Zeichen A, D, F, G und X gebildet wurde. Darauf folgte eine Änderung der Reihenfolge (Transposition) des resultierenden Texts.
Während die deutschen Truppen der Hauptstadt Paris immer näher rückten, stellte die französische Funkaufklärung am 1. Juni fest, dass die Funksprüche des Kriegsgegners nun auf einmal das V als sechsten Buchstaben enthielten. Gegen das nun ADFGVX genannte Verfahren waren erneut Painvins Dechiffrier-Künste gefragt, und wieder hatte der geniale französische Code-Knacker Erfolg: Er fand innerhalb eines Tages heraus, dass ADFGVX eine Weiterentwicklung von ADFGX war, bei der 36 Zeichen (die 26 Buchstaben des Alphabets sowie die Ziffern von 0 bis 9) durch Paare aus den Buchstaben A, D, F, G, V und X ersetzt und anschließend durcheinander gewürfelt wurden.
Die Dechiffrier-Erfolge Painvins erwiesen sich für Frankreich als Segen. Die Erkenntnisse, die man aus den entschlüsselten Funksprüchen gewann, ermöglichten dem französischen die bis in die Gegend von Compiegne, etwa 80 Kilometer vor Paris, vorgedrungen waren. Die im Ersten Weltkrieg erstmals zu Bedeutung gelangte Luftaufklärung bestätigte diese Informationen. So konnten die Franzosen unterstützt von den Engländern rechtzeitig ihre Kräfte bündeln und dadurch in einer vom 9. bis 14. Juni dauernden Schlacht die Deutschen zwar nicht besiegen, aber entscheidend schwächen. Mit dem Eintreffen der mittlerweile in den Krieg eingestiegenen US-Amerikaner hatten die Deutschen der Übermacht im Westen nichts mehr entgegenzusetzen, wodurch ihnen nur noch der Rückzug blieb. Der Krieg war damit verloren.


4. ADFGX und ADFGVX history menue scroll up

 

... die Weiterentwicklung des ADFGX - aber trotzdem auch nicht sicher vor Einbrüchen


5. Arbeits- und Funktionsbeispiele ADFGVX history menue scroll up

... ist spätestens seit der Guiliom-Affäre in Insider-Kreisen bekannt. Als Derivat des ÜBCHI mit stärkerem Schlüssel wurde er von der Staatssicherheit als nichtmaschinelles Verfahren bis 1989 genutzt. Bis dahin waren keine möglichen Einbruchsstellen bekannt.
       
       


6. Software-Lösungen von uns ... history menue scroll up

... seit dem 18.12.2012 bemühen sich die Schüler des Grundkurses Informatik Klasse 11 um eine softwaretechnische Lösung von ÜBCHI - ich hab' mich da auch mal mit integriert und realisiere das Vorhaben entgegen meiner ursprünglichen Absicht nicht mit Delphi 6.0, sondern steige um auf Lazarus. Dies hat einen ganz einfachen Grund: die alten 16-Bit-Anwendungen von Delphi 6 werden irgendwann einmal mit Sicherheit nicht mehr laufen.

 


7. Angriffe auf ADFGVX ... history menue scroll up

 
 


8. Verwandte Themen history menue scroll up

... auf den ersten Blick ein raffinierter Transpositionschiffre für welchen zum Knacken theoretisch die Regeln eines Brute-Force-Angriffes gelten. Auf den zweiten Blick kommt Logik ins Spiel - und dann sieht (wie auch später bei der ENIGMA) das Problem schon ganz anders aus! Kryptoanalytiker erledigen aus moderner Sicht (in der Historie war das also nicht immer ganz so!) als erstes den Job: "reduziere die Anzahl der Möglichkeiten auf der Basis von Logik!" Und nun kommt erst das Wichtigste: "... versuche möglichst erfolgreich, diese Logik vor dem potentiellem Gegner - 'Hallo, Malory!' - geheim zu halten!".

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© Samuel-von-Pufendorf-Gymnasium Flöha © Frank Rost am 2. März 2013 um 22.58 Uhr

... dieser Text wurde nach den Regeln irgendeiner Rechtschreibreform verfasst - ich hab' irgendwann einmal beschlossen, an diesem Zirkus nicht mehr teilzunehmen ;-)

„Dieses Land braucht eine Steuerreform, dieses Land braucht eine Rentenreform - wir schreiben Schiffahrt mit drei „f“!“

Diddi Hallervorden, dt. Komiker und Kabarettist

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